Das Merle-Defekt-Gen
oder auch Depigmentierungsgen genannt

In den Jahren 2009 und 2010 konnten wir mit der Population der im „Institut für ganzheitliche Zucht von PON und Schafpudel“ registrierten Schafpudel an einem Forschungsprojekt der Tierärztlichen Hoch-schule Hannover unter Leitung von Prof. Ottmar Distl teilnehmen.

Ziel des Forschungsprojekts war die molekular-genetischen Erkennung des Merle-Gens beim Schafpudel.

Man unterscheidet beim Schafpudel mehrere Farbgebungen, die durch das Merle-Defektgen auftreten. Die bekannteste Farbgebung ist der so genannte „Tiger“, der durch ein grau-schwarz gesprenkeltes Fell auffällt. Die zweite Farbvariante ist der „Weiß-Tiger“, der als weißer Hund in Erscheinung tritt. Jedoch läßt sich der „Weiß-Tiger“ nie einwandfrei am äußeren Erscheinungsbild erkennen, denn nicht jeder weiße Schafpudel ist Träger des Defektgens.

Erst die molekulargenetische Untersuchung gibt hier eindeutig Aufschluß. Gleiches gilt auch in seltenen Fällen für weizenfarbige Tiere.

Mit zunehmendem Alter verändert sich die Fellfarbe der Schafpudel und lässt keinen eindeutigen Rückschluss auf das Merle-Gen mehr zu. Dies führt zu fatalen Folgen für die Rasse.

In Kürze die gesundheitlichen Risiken für den Hund, die mit dem Merle-Gen verbunden sind, auch wenn nur ein Elternteil Träger des Merle-Gens war:

  • Häufiges Auftreten und Kopplung von Anomalien  der Augen und/oder Ohren,
  • Gleichgewichtsstörungen (auch beim Schwimme),
  • innere organische Defekte,
  • eingeschränkte Zeugungsfähigkeit,
  • verminderte Nervenstärke,
  • verminderte Vitalität,
  • erhöhte Allergiebereitschaft
  • frühzeitiger Tod

(siehe auch“Kleine Kynologie“, Prof.Wegner 1995)

In Zusammenhang mit dem Merle-Gen wird daher nicht selten von „Qualzucht“ gesprochen.
Das Tierschutzgesetz empfiehlt in dem Gutachten unter §11b 2.1.1.1.7 einen generellen Verzicht auf die Zucht mit  Trägern des Merle-Defekt-Gens.

Es ist unverständlich, warum Schafpudel-Züchter immer wieder Verpaarungen anstreben, die mit derartigen Risiken für die Nachzucht verbunden sind, nur damit eine vermeintlich erstrebenswerte Fellzeichnungen erreicht wird.
Um die im „Institut für ganzheitliche Zucht“ gezüchteten Schafpudel vor den, mit dem Merle-Gen verbundenen Störungen der Gesundheit zu schützen, erhalten seit dem Jahr 2011 nur noch molekulargenetisch untersuchte und als „frei“ befundete Tiere eine Zuchtzulassung. Damit schützen wir nicht nur den Hund in seiner Robustheit und Vitalität, sondern sichern auch den berechtigten Anspruch unserer Welpenkäufer auf eine gesundheitsorientiert Zucht, welche die Grundlagen für ein langes, ungetrübtes Leben mit dem Schafpudel legt.

Mechthild Jennissen-Tibbe